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Paul Scheerbart | ![]() |
Wozu mich
mein Schuh drückt?
Das willst du wissen?
Leg dich nur ruhig
Auf dein
Ruhekissen;
Es wird zum Luftballon.
Mit dem gehst du davon.
Und deine
Locken —
Die werden klingen;
Du sollst mit ihnen,
Da sie rot sind,
Die gelben Sterne umschlingen!
Ach ja, dein verfluchter,
Alter, dammlicher
Luftballon
Wird dich weit bringen.
*
Durch die alte Türe,
Die so herrisch knarrt,
Kommt der Ofenmann
Mit vielen schwarzen Bechern,
Die so traurig sind wie schwarze Briefe.
Na — was will denn der Ofenmann?
Will er den alten Zechern
Die letzten Tropfen schenken?
Der Ofenmann hat
kurze Beinchen;
Sein Leib ist ein großes viereckiges Steinchen.
Und auf
dem Steinchen sitzt ein Wachskopf —
Der geht natürlich ganz entzwei,
Denn
der Ofen ist ja warm.
Und die schwarzen Becher fallen
Diesem alten
Ofenmann
Aus den schwarzen alten Händen
Auf die stillen weißen Dielen.
Und der Wein macht die Dielen naß.
Das macht den Zechern Spaß.
Die
Beinchen des Ofenmanns
Brechen entzwei.
Und der schwarze Ofen
Steht an
der Wand — wie einst.
(Katerpoesie)
Fahr wohl, du alte Schraube!
Mir warst du sehr egal.
Mir schmeckt die Lebenstraube,
Und dir ist alles Qual!
Tu immer, was du
wolltest;
Ich stör' dich nicht dabei.
Ich weiß nicht, was du solltest;
Ich laß dich gerne frei.
Und wenn du wieder grolltest,
So wär's mir
einerlei.
Schrei nur, mein Liebchen, schrei!
(Katerpoesie)
Ach ja! Jetzt weiß ich's
ganz genau!
Von Max und Moritz kam ich her!
Die lagen in einem Syrupmeer
Und waren blöde wie der große Stier.
Es kam ein Strahl durch das Revier
Und hüpfte mit uns Dreien.
Das sollte uns bald entzweien.
Nach jenem
Trubel durft ich endlich
So selig ruhen auf dem Zuckersterne,
Der mir aus
allen seinen Kratern
Ein glückliches Vergessen dampfte.
(Katerpoesie)
Ja — meine Sonnenkälber
Sind mit Öl begossen,
Sind naß wie Badelaken
Und erweichte Schrippen.
Ich weiß mit diesen feuchten
Märchenweltschleimtieren
Nichts anzufangen — nichts.
Solche alten Späße
Sind doch eigentlich abscheulich.
(Katerpoesie)
O du goldener Willensschaum,
Spritz hinauf in die
kühlste Luft!
O du goldener Willensschaum,
Braus hinab in die kühlste
Gruft!
Umtose mit Korybantengeschrei
Des Lebens langweilige Litanei!
(1897)
In dieser Nacht sah ich ein Kind,
Das lachte mich an.
Es hat das Lachen in
dieser Nacht
Mir wohlgethan.
Über die Haide wogten
Große bläuliche
Flammen.
Die haben den Himmel ganz hell gemacht,
Dazu hat das Kind noch
viel mehr gelacht.
Wir lachten beide zusammen
Über die bläulichen Flammen.
(1897)
Singe nicht
so hell und laut,
Da ich wieder einsam bin!
Ach, fühlst Du nicht, worüber
Ich trüber werde?
Lache nicht so toll und dumm,
Da ich ernst und anders
bin!
Nein, weißt Du nicht, worüber
Ich trüber werde?
Frage nicht so
klug und hart!
Das hat Alles keinen Sinn!
Was? Ahnst Du nicht, worüber
Ich trüber werde?
Sieh' ich liebe Dich nicht mehr,
All meine Lieben ist
dahin!
Begreifst Du jetzt, worüber
Ich trüber werde?
(1897)
Du bist mein Schaf;
Ich bin dir
niemals böse.
Und er ist baff;
Er schaut ins Weltgekröse.
Du bist
mein Schaf,
Erlöse ihn, erlöse
Auch mich von dem Getöse
Der
auferstandnen Jugendzeit;
Sie steht vor mir im Leichenkleid.
(Katerpoesie)
Ich
stand in Gedanken
Auf dem großen Weltmeer.
Die Sohlen meiner Riesenfüße
Wurden fein gekitzelt
Von schäumenden Wogen.
Ich sah in die Tiefe.
Da
zerspritzten wilde Wellenberge
An meinem großen Zeh.
Wie das ich sah, da
dacht' ich so:
"Wellenberge, zerspritzt nur immer,
Wenn ihr nichts Bessres
zu thun vermögt,
Auch an meinem großen Zeh!
Es tut ja nicht weh!"
Und
siehe! da kommt der Erzengel
Lächelnd aus dem Himmel heraus
Herunter zu
mir.
In der Rechten hält er
Ein ächtes wackelndes Flammenschwert.
Ich
sehe den Engel
Mit lachenden Mienen,
Mit zusammengekniffenen Augen
Wie
ein Verliebter an.
Aber nun spricht der gleich:
"Siehst du, hier hast Du
ein Schwert!
Bekämpfe mit ihm, die dich bekämpfen!
Streite mit Muth wie
ein Held!"
Ich bin starr -
Rufe sofort:
"Erzengel, bist du ein Ochs?"
Und ich wende mich stolz gleich ab,
Gehe glitschend auf den Wellen
Ganz
nach hinten in eine Ecke -
Wo die schäumenden Meereswogen
An großen Felsen
zerschellen.
Dort denke ich nach:
Ich will mich besinnen,
Ob Riesen
jemals Kämpfer waren
... ...
Ich besinne mich nicht. -
"Wirkliche"
Riesen kämpfen nicht!
Denn gegen wen sollten -
Riesen wohl kämpfen?
Und
dann noch eins:
"Wer kann wohl kämpfen,
Wenn er nicht hassen kann?"
Ich
stand in Gedanken
Auf dem großen Weltmeer,
Sann nach über die Bedeutung
Jenes ächten wackelnden Flammenschwertes ...
"Erzengel bist du ein Ochs? "
(1897)
Ich bin der lachende König der Welt. Was willst
du essen? Was willst du
trinken? Ich kann dir Alles geben, Alles.
Glaubst du, ich sei arm? Dummes,
kleines Kind!
Siehst du da drüben überm Meere die unzähligen Sterne?
Weißt
Du, wem sie gehören? Mir gehören die Sterne.
Denn ich bin so selig, daß
niemand seliger sein kann.
Und
wer etwas selig anschaut, der besitzt das,
was er anschaut. Siehst du, jetzt weißt du, was Eigentum ist.
Willst du nun
die Königin der Welt sein? Neben mir auf meinem großen Throne? Willst du?
Sei
selig: und du bist Königin!
Komm und sitze an meiner Seite! Wir sind ein
lachendes Herrscherpaar.
Was willst du essen? Bah, sei selig: und du brauchst
nicht zu essen.
Sei selig: und du brauchst auch nicht mehr trinken.
Dein
Auge sei dein Reichsapfel, dein trunken empor sich reckender Arm dein Scepter:
so jetzt herrschen wir über die Welt.
Hei, tanze mit mir! Drüben durchs
Gebüsch rennen unsre Diener;
die sind gehorsam; siehst du sie?
Nein?
So
schließe dein Auge! Dann kannst Du Alles sehen, Alles haben,
Alles.
Doch
du lachst noch nicht so, wie's Königinnen ziemt.
Lach' so wie ich!
Sonnen,
Sterne tanzen mit dir.
O komm: rase mit mir!
Nein, nicht toll! Tanze,
tanze mit mir ...
(1895)
Alte Knaben sitzen auf den leersten Tonnen,
Und die Nächte siegen über alle
Sonnen.
Hinten nagen unsichtbare weiße Mäuse
An dem bös zerbeulten großen
Hirngehäuse.
Hör doch, wie die ganze Schädelhöhle quarrt!
Ist die alte
Rinde „wirklich“ noch so hart?
Alles geht zu Ende – auch der dickste Kopf
Ach, die weißen Mäuse haben dich am Schopf!
Glaubst du, Läuse sitzen bloß in
deinem Puder?
Nein, du bist ein unverschämtes dummes Luder,
Und die
Frechheit kommt in erster Reihe ran.
(Katerpoesie)
Geh nicht fort, hehrer Held!
Laß die Welt,
laß die Welt!
Trinken könntest Du auch hier;
O, trinke mit mir!
Geh
nicht fort, hehrer Held!
Hast Du Zeit, Hab und Gut,
Dann verbringst Du das
auch hier;
Verbrings doch mit mir!
Morgen lacht, wer die Nacht
Nicht
zum Schlaf, nicht zum Schlaf
Wie ein Murmeltier mißbraucht;
Die Reue
verraucht!
Aber rennst Du mir weg,
Wird mein Bein, dieses Bein,
In
die Schänke gehn allein;
Ich liebe den Wein!
(1904)
Ich lebte vor
langer langer Zeit
In einem Raume,
Der ganz voll Licht war;
Es
leuchteten wohl sämtliche Atome.
Und da kam plötzlich
Eine schwarze Sonne
an,
Die schwarze Strahlen
Durch das Lichtreich sandte.
Die schwarzen
Strahlen waren kühl
Und kühlten auch meinen heißen Leib,
Der
selbstverständlich nicht
Aus dicken Stoffen sich zusammensetzte.
Nun brach
sich jenes schwarze Licht,
Das ganz besondre Qualitäten zeigte,
In meinem
heißen Leibe so,
Daß ich einen —
Schwarzen Schweif bekam;
Und spalten
tat sich dieser Schweif
Und sah beinah so aus
Wie jene langen Streifen,
Die sich an Menschenfräcken
Unter den Händen
Fleißiger Schneider bilden.
Ich ward in jener alten alten Zeit
Ein Frack-Komet.
Ob sich für unsre Erde
Noch mal Kometen
Sichtbar machen könnten —
In Frackform?
(Katerpoesie)
Wie war's doch nur?
Im Himmel schwebten
Große
blanke Diskusscheiben —
Auf denen drehten sich blutrote Nüsse.
Doch alles
schlug ein böser Geist entzwei.
Ein Engel lacht dazu
Und spritzt mit
Vitriol.
Jawohl! Jawohl
(Katerpoesie)
Ach, ich kann ja gar nicht schlafen!
Über dem
dunkelgrünen Myrtentor
Thront ein dicker roter Mond. —
Ob es später wohl
noch lohnt,
Wenn man auf dem Monde wohnt?
Über dem dunkelgrünen Myrtentor?
Wär's nicht möglich, daß uns drüben
„Längre“ Seligkeiten küßten?
Wenn wir
das genauer wüßten!
Hier ist alles zu schnell aus.
Jeder lebt in Saus und
Braus.
Wem das schließlich nicht gefällt,
Hält die ganze große Welt
Auch bloß für ein Narrenhaus!
Ach, ich kann ja gar nicht schlafen!
Alter
Mond, ich lach dich aus!
Doch du machst dir nichts daraus!
(Katerpoesie)
Laß die Erde! Laß die Erde!
Laß sie ruhen bis sie
fault!
Über schwarzen Wiesentriften
Fliegen große Purpurengel;
Ihre
Scharlachlocken leuchten
In dem grünen Himmel
Meiner Welt.
Laß die
Erde! Laß die Erde!
Laß sie ruhen bis sie fault!
Über weißen
Bernsteinkuppeln
Flattern blaue Turteltauben;
Ihre Saphirflügel flimmern
In dem grünen Himmel
Meiner Welt.
Laß die Erde! Laß die Erde!
Laß
sie liegen bis sie fault!
Über goldnen Schaumgewässern
Spielen zahme
Silberfische,
Ihre langen Flossen zittern
In dem grünen Himmel
Meiner
Welt.
Haß die Erde! Haß die Erde!
1893
Mit Euch an einem Tisch zu sitzen,
Macht mir den
größten Höllenspaß.
Ich träume schon von Euren Witzen,
Wohl dem, der mit
Euch Austern aß.
Denn was Ihr trinkt
Ist pure Galle.
Und was Ihr eßt
Ein alter Quark.
Recht grob möchte ich Euch Allen sagen,
Daß Ihr mir
nie mehr könnt behagen.
Ihr seid das Luderpack der Welt
Und habt mir
manchen Tag vergällt!
So nehm' ich denn die Finsternis
Und balle sie
zusammen
Und werfe sie, so weit ich kann,
Bis in die großen Flammen,
Die ich noch nicht gesehen habe
Und die doch da sind — irgendwo
Lichterloh
. . .
(Katerpoesie)
Wenn die große Sehnsucht wieder kommt,
Wird
mein ganzes Wesen wieder weich.
Und ich möchte weinend niedersinken —
Und
dann möcht ich wieder maßlos trinken.
(Katerpoesie)
Die Welt
ist laut,
Und ich bin still!
Erloschen sind die Flammen.
Ich kann
nicht mehr,
So wie ich will!
Den Rausch muß ich verdammen.
Die Welt
ist laut,
Ich möcht so viel!
Doch bring ich's nicht zusammen.
(Katerpoesie)
Über die
weite Wiese der Lust
Wandelt zaghaft mein bester Freund.
Was ich Gutes von
Ihm gewußt,
Vergaß ich, als ich ihn da sah.
Über der weiten Wiese der
Lust
Schwebt ein häßliches Ungethüm.
Was ich greifbar an dem erkannt,
Verschwamm mir, als ich ihn da sah.
Auf jene weite Wiese der Lust
Lauf'
ich plötzlich dem Freunde nach.
Was Er Gutes von Mir gewußt,
Vergaß Er,
als Er Mich da sah.
Auf jener weiten Wiese der Lust
Läuft ein Freund
mit dem Andern fort.
Wer die Freundschaft in uns erkannt,
Bestritt, daß er
den Kern da sah.
(1897)
Ich habe so viel vergessen.
Ich weiß nicht mehr
Woher ich komme.
Ich saß in einer Laube
Von großen grünen Smaragden;
Sie schimmerten wie Glühwurmlicht.
Mehr aber weiß ich nicht.
Es war ganz
hinten im Raume
Und fast wie in dem Traume,
Der uns der allerliebste ist.
(Katerpoesie)
Laß die Erde! Laß die Erde!
Laß sie ruhen
bis sie fault!
Über schwarzen Wiesentriften
Schweben große Purpurengel;
Ihre Purpurlieder brennen
In dem grünen Himmel
Meiner Welt.
Laß die
Erde! Laß die Erde!
Laß sie ruhen bis sie fault!
Über weißen
Schneepalästen
Kreisen blaue Turteltauben;
Ihre Saphirflügel leuchten
In dem grünen Himmel
Meiner Welt.
Laß die Erde! Laß die Erde!
Laß
sie liegen bis sie fault!
Über goldnen Meereswogen
Fliegen silbewrblanke
fische;
Deren Strahlenglanzflossen blitzen
In dem grünen Himmel
Meiner
Welt.
Haß die Erde! Haß die Erde!
(1893)
Mal ist mir alles astral
Und mal so ganz
egal.
Ich kenne den längsten Strahl
Und auch das Jammertal,
Wo ich
beinah nicht hingehöre.
O du Zappelpappeljöhre!
(Katerpoesie)
Dinir' mit Teufelsübermuth;
Es steckt ein Prinz in jedem Butt.
Das
Menschenfleisch ist endlich da
Und schmeckt so wie Ambrosia.
Ha! Ha! Ha!
9.5.1901 an Richard Dehmel
Reich mir meine Platzpatronen,
denn mich packt die Raserei!
Keinen
Menschen will ich schonen,
alles schlag ich jetzt entzwei.
Hunderttausend
Köpfe reiß ich
heute noch von ihrem Rumpf!
Hei! das wilde Morden preis'
ich,
denn das ist der letzte Trumpf!
Welt, verschrumpf!
Das ist doch sehr wunderbar,
daß die Nacht
so dunkel ist.
Alle Sterne schliefen ein -
Auch der schöne Mondenschein.
Und ich finde nicht nach Haus,
Tappe, taste so mich weiter,
Stolpre,
falle, liege, denke -
Doch die Nacht bleibt dunkel -
All das viele
Glanzgefunkel
Ist total verschwunden.
Das ist doch sehr wunderbar,
Daß
die Nacht so dunkel ist.
Warum ist sie dunkel?
O du Rätsel der Nacht.
(1897)
Wie ein Lichtstrahl war ich einst,
Zuckte hin und her
Durch die
Weltenpracht
In dem Äthermeere.
Quintillionen Wettersterne
Hab' ich
prickelnd angeblickt.
Oh, ich war geschickt —
Eine Lichthetäre.
(Katerpoesie)
Ich war im Traume betrunken
Und sah ein altes Kamel,
Das war zu Boden gesunken —
Es lachte — bei meiner Seel!
Und bald lag
mein ganzes Genie
Neben dem lachenden Vieh.
Der Himmel lachte über mir,
Und ich trank immer noch für Vier.
Mein Kamel kam nicht zu kurz dabei;
Ich ließ es trinken fast für Drei.
Dies war meine schönste Zecherei;
Ich
fühlte mich so groß und frei.
Ich trinke — bei meiner ewigen Seele! —
Nur noch mit einem alten Kamele.
Mit Menschen trinken ist der größte Kohl —
Kamele nur verstehn den Alkohol.
(Katerpoesie)
Fliegt man stückweis' in die Luft,
Wird man gleich
zu Leichenduft;
Man verpufft in einem Nu,
Macht nicht mal die Augen zu.
(1912)
Die
Maske der Betrunkenheit hab ich nun abgelegt!
Ich bin allein — und tue, was
ich wollte.
Wer jemals über Albernes sich kindlich aufgeregt,
Der weiß nun
endlich, daß ich stets ihm grollte.
Ich lächle nur und lächle immer wieder —
wieder!
Mir hängt die Luft voll kreischend-toller Jubellieder!
(Katerpoesie)
So geht mir doch!
Was schert mich
das?
Ich bin nicht für die Eine.
Ich schwing' nur Fahnen, die ich mag,
Ich schwinge doch auch Deine.
Ja, geht mir nur!
Wie rührt mich das!
Ich bin nun mal für Alle!
Ich trage jede Erdenplag -
Ich habe keine Galle.
So geht mir doch!
Was schert mich das?
Ich darf mich nicht verrennen
Und werd', so lang ich lachen mag,
Euch Farbe nie bekennen.
Ja, geht
mir nur!
Wie rührt mich das!
Ich schwärme für die Weiten
Und kämpfe nur
beim Zechgelag' -
Ich mag nicht nüchtern streiten.
So geht mir doch!
Ihr rührt mich nie!
Ich liebe die Gescheidten.
Es kommt ja doch der helle
Tag -
Es kommen andere Zeiten!
(1897)
Fliege, fliege, kleine Fliege!
Fliege, fliege in die
Wiege!
Siege! Siege!
(Katerpoesie)
Meine ganze Welt ist kantig,
Und die Bäume sind verrückt.
Sage, Wilhelm, sage, Sauhirt,
Warum gehst du so gebückt?
(Katerpoesie)
Ich lobe mir die Freiheit auf den Gassen,
Jedoch das Weib soll man zu Hause
lassen.
(Katerpoesie)
Nun schwimmen wir wieder ohne Begehren,
Wir ahnen
der Welten Sehnsuchtsziel -
Und wollen uns Garnichts weiter erklären,
Wir
bleiben beim großen Ahnungsspiel.
Und tun wir auch vielen Skorpionen leid,
Wir sind doch die Weisen - im Narrenkleid.
Wo du auch hinüberfliehst,
Niemals kommst Du an das letzte Ziel!
Preise jede Welt und auch die Sterne.
Alles, was du hier so siehst,
Ist ja nur ein feines Lichterspiel,
Eine
große Wunderweltlaterne.
(1902)
Glaubt mir! Den Hund ich töte,
Der mir die schöne
Kröte
Zu rauben wagen sollte.
Der Ampeln dunkle Röthe
Durchglühet
meine Kröte,
Als wenn sie brennen wollte.
Weh' dem, der mir verböte,
Die wunderbare Kröte
Zu speisen und zu preisen!
O Kröte! Schöne Kröte!
(1897)
Der König saß auf seinem Thron
Und sagte: „Lieber guter Sohn,
Hast du das
Gift genossen?
Genieß es schleunigst unverdrossen!“
(Katerpoesie)
In meinen Adern brennt
der stramme Grog;
Pompöser Kohl durchrast mein Eingeweide.
Die kalte Nase
steckt im Weltgehirn;
Die heißen Hengste führ ich auf die Weide.
Jetzt,
Erdenbürger: Leide! Leide! Leide!
(Katerpoesie)
Ich hab in dieser ganzen Nacht
Still wie ein Stall
geschlafen.
Ich hab in dieser ganzen Nacht
Geträumt von tausend Schafen.
(Katerpoesie)
Heiter sei mein Abendessen,
Wenn's zur
Nacht auch traurig geht.
Und der Spott sei nie vergessen,
Wenn auch alles
untergeht.
(1892)
Mir klappern alle Zähne;
Der alte Brei der Welt ist
dick.
Doch lange Wunderspäne
Umringeln all mein Mißgeschick.
(Katerpoesie)
Auf einer alten Papyrusrolle
Kann man, wenn man ägyptisch kann,
Folgende
schöne Geschichte lesen:
Ein alter Ramses zeigte seinem Volk
Mit großem
Pompe seinen Sohn,
Den jungen Ramses, seinen Erben;
Ganz Theben war voll
Seligkeit.
Der Alte sagte schmunzelnd zu dem Jungen.:
" Na? Ist das Fest
nicht fein gelungenen?
Die Krieger stehn in Reih und Glied
Und salutieren
mit den Spießen,
Das Volk liegt auf dem Bauch und schwitzt,
In allen
Tempeln brennt Parfum."
Der Sohn ward so ernst wie ein alter Priester
Und sah den Vater lange an und sprach
Dann langsam, wie nun folgt:
"Das
merkt ja wohl ein jedes Pferd,
Daß Herr und Volk mich fürchterlich verehrt.
Doch sieh nur all die dicken Pyramiden an;
Die liegen da, als wäre nichts
los.
Respektlos nenn ich diese faule Ruhe!
Befiehl doch, daß die Pyramiden
Sich rechts und links vom alten Nil
Aufpflanzen in zwei langen, graden Reihen
Mit Riesenspießen auf den Spitzen."
Der alte Ramses zog sich still zurück
Und ließ die Pyramidenbauer kommen
Und klagte diesen seine liebe Not.
Da
sprach ein jugendlicher Baurat dies:
"Mit Latten und Papyrus könnten wir
Herstellen solch ein mächtiges Spalier;
Wir haben ja Papyrus hier genug.
Der junge Ramses merkt kaum den Betrug.
Und wenn ers merkt, sagt man recht
schlau
Das seien selbstverständlich nur Symbole."
Da war der alte Pharao
so froh
Und rief vergnügt:
" Denn macht das so!"
Und nach acht Tagen
fuhr
Des nachts mit seinem Sohn
Der alte Ramses in der Pharaonenbarke,
Den Nil hinunter bei Guitarrenklang,
Und rechts und links am Ufer lagen
Papyruspyramiden, fein durchleuchtet,
Mit blanken Spießen an den Spitzen.
"Es sind das selbstverständlich", sagte scheu
Der alte Herr, "ja nur Symbole,
darum freu
Dich auch mal so, wie ich es gerne hätte."
Der Junge
runzelte die Stirn
Und sagte schließlich sehr sehr bitter:
"Es sind
Symbole - aber hohle!
Geh ab, Papa, mit deinen Symbolen!
Die mag nur
gleich der Negerteufel holen.
Hohle Symbole konnten Dir wohl genügen;
Mich
wird man mit solchen Späßen nicht betrügen.
Ich will das Aechte - das Wahre -
Die Pyramiden aus festem Stein."
Da schrie der alte Herr wie besessen:
"Hast Du den Respekt vor Deinem Papa vergessen?
Du übergeschnappter
dammlicher Bengel!"
Weiter gehts nicht auf der Papyrusrolle,
Auf der
diese schöne Geschichte zu lesen ist;
Mäuse haben den Schluß gefressen -
Die ganz echten Pyramidenmäuse.
(1906)
Hopp! Hopp! Hopp! Mein süßes Pferdchen!
Hopp!
Hopp! Hopp! Wo willst du hin?
Über jene hohe Mauer?
Ach, was kam dir in
den Sinn?
Hopp! Hopp! Hopp! Mein süßes Pferdchen!
Hopp! Hopp! Hopp! Wo
willst – Du – hin?
(Katerpoesie)
Ich bin ein Schwein!
Oh nein! Oh nein!
Riskier nicht Kopf und Kragen,
Mein edler Schwartenmagen.
25.2.1901 an Richard Dehmel
Ich hab ein Auge, das ist blau
Mir gestern Abend
geschlagen.
Ich schrie fünfhundertmal „Au! Au!“
Was wollt ich damit
sagen?
Ich weiß es heute selber nicht;
Ich hab ein Heldenangesicht.
(Katerpoesie)
Murx den Europäer!
Murx ihn!
Murx ihn! Murx ihn!
Murx ihn ab!
Eine wilde Fratze
Muß ich
schneiden,
Denn dies Leben
Macht mir keinen Spaß.
O, ich möchte nur
Ein altes Rabenaas
Mit verrückter Wollust
In zehntausend Stücke reißen,
Und dann möcht ich
Hübsche Mädchenköpfe
Balsamieren mit verfaultem Tran
Oder andrer ekler Flüssigkeit.
Und dann möcht ich
In den Himmel springen
Und die Sterne fressen
Und zuletzt:
Den ganzen Lebensunsinn
Ohne
weiteres vergessen
Und als Ätherwolke
Traumlos weiterschweben.
Dieses,
glaub ich, wird mir
Noch einmal gelingen.
(Katerpoesie)
Ja, unter Deinen weißen Rosen
Will ich heut Abend mit
Dir kosen.
Horch auf meinen knatternden Peitschenknall!
Oh! Der donnert
grausig durchs Weltenall!
Wirst ihn schon hören!
Ich will um Deine Liebe
werben
Mit ganz besondrem Wüstenwitz.
Sieh! Die mich lieben, müssen
sterben -
Und wen ich küsse, trifft der Blitz!
(1897)
Ekoraláps! Wîso kollipánda
opolôsa.
Ipasátta íh fûo.
Kikakokú proklínthe petêh.
Nikifilí mopaléxio
intipáschi benakáffroprópsa
pî! própsa pî!
Jasóllu nosaréssa flîpsei.
Aukarotto passakrússar Kikakokú.
Núpsa púsch?
Kikakokú bulurú?
Futupúkke - própsa pî!
Jasóllu ... ... ...
(1897)
Der Mondball
starrt den Erdball an.
Und auf der Haut der Erde spiegelt sich der Wille des
Mondes.
Darum suchen wir nur Einen - immer nur Einen.
Und wir finden
auch nicht mehr.
Ein wenig scheint es uns oft,
Auf dem Saturn lebt sichs
wohl besser; der hat ja mehr Monde - hat ja neun.
Dort kann sich jeder
freun mit Neun.
Ei, das muß ja köstlich wirken - immer sich zu freun - gleich
mit neun.
Doch der große Mond der Erde zeigt eine stolze Weltgeberde und
ruft uns zu:
"Ihr könnt Euch ebenso freun; ein Mond kann ja ebenso groß sein
wie neun."
Das ist doch ein kosmischer Trost.
Ein Mond kam so groß sein
wie neun.
(1904)
Weiß nicht, aber ich glaube doch,
Daß
die Welt ein faules Loch,
Drin die vielen großen Sterne
Nichts als
Phosphorschimmer sind.
Lieblich tönt, ja das weiß ich schon,
Nur ein
toller Weltenhohn.
Freundlich wären wir so gerne ...
Aber lacht denn noch
ein Kind?
Wundersam, ja nun glaub' ich fast:
Uns zerklemmt die
Weltlochlast.
Ach, die vielen großen Sterne
Sind verweht wie müder Wind.
(1897)
Leb' doch, wie's Dir gerade paßt!
Machst dich dadurch nur verhaßt!
Hast Du Alles mal verpraßt,
Kannst Du
wirklich nichts mehr erben -
Darfst du doch noch friedlich sterben:
Stirb
nur! Selbst die Dichter sterben!
(1897)
Manches Gedicht mit viel Genie
Ist nur Verhöhnung
der Poesie
(???)
Liebe, Labe, Lobe mich!
Aber nicht so fürchterlich!
Sind mir viel zu
viel...
Lebe, liebe dich nur aus -!
Doch mit Laben, Loben halte Haus!
(???)
Mein Herz gehört der Welt,
Kein Weib mir mehr
gefällt.
Ich lieb nicht mal das Geld!
Ich liebe nur die Welt!
Kein Weib
mir mehr gefällt.
(1897)
Mein liebes kleines Moddelmäuschen!
Soll ich Dir bauen ein Perlenhäuschen,
In dem die buntesten Lampen brennen?
Da wirst Du dich gar nicht mehr wiederkennen.
So wundervoll herrlich wird
alles sein.
Freu dich darauf, mein Mudellein.
Du kriegst auch ein
Perlenspind zum Naschen.
Und blauer Sammt liegt überall,
Auch grüner Sammt
- sogar draußen im großen Hühnerstall.
Und ich, mein Mutsch,
Bin dein
Stallmeister.
(1910)
Der Eremit ist dick und groß;
Er haßt die
Nebenmenschen bloß.
Er liebt nur seine Klause
Und bleibt daher zu Hause.
Die ganze Welt ist ihm Pomade.
Die Nebenmenschen sagen: schade!
Das aber
rührt den Teufel nicht.
Hat er nur stets sein Leibgericht,
So ist ihm
alles piepe —
Der Haß und auch die Liepe.
(Katerpoesie)
Zépke! Zépke!
Mekkimápsi - muschibróps.
Okosôni!
Mamimûne .......
Epakróllu róndima sêka, inti .... windi .... nakki; pakki
salône hepperéppe - hepperéppe!!
Lakku - Zakku - Wakku - Quakku ---
muschibróps.
Mamimûne - lesebesebîmbera - roxróx - roxróx!!!
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Quilliwaûke?
Lesebesebîmbera - surû - huhû
(1902)
Guten Morgen! schreit das Menschentier;
Und mancher
Schuft trinkt jetzt noch Bier.
Guten Morgen! schreit auch der Tyrann;
Früh fängt Er zu regieren an.
An den Weltrand will ich heute gahn;
Dort will ich einmal Fliegen fahn.
Guten Morgen! schreit der
Kriegersmann;
Ach, der ist immerzu im Tran.
Guten Morgen! schreit man
dort und hier;
Und meine Uhr schlägt schon halb vier.
Und mancher
Schuft trinkt jetzt noch Bier;
Guten Morgen! schreit das Menschentier.
(Katerpoesie)
Nie verzagen, niemals klagen!
Sei
mein stetes Fluchtpanier.
Hab ja längst gelernt entsagen;
Niemals ich den
Mut verlier
(1892)
Ich liege ganz still.
Der Nachtwind rauscht leise vorbei.
Eine große Sehnsucht zieht mich noch tiefer.
Diese Sehnsucht — nach — ich
weiß nicht was!
Das macht so traurig.
Ich möchte — ich weiß nicht was!
Ich denke an ferne, ferne Zeiten . . .
(Katerpoesie)
Nun lach nicht mehr so schaurig!
Dein Leben macht mich
traurig!
Und sprich zu mir ein Wort!
Das Schweigen tötet die Liebe.
Du
aber sollst mich lieben -
Ach, hörst Du mich denn nicht?
(1897)
Putz mir meine Krone,
Denn ich will spazierengehn!
Sei mein Leibhurone!
Aller Welt zum Hohne
Gehn wir auf den kleinen Zehn.
Putz mir meine Krone!
Putz sie mir recht blank!
Kriegst auch eine Feder
Und ein Ei zum Dank -
(1897)
Rixráx, was willst du?
Ich stopfe den
Mond
In meine Riesenkanone.
Rixráx, was willst du?
Ich schieße den Mond
Wie eine Riesensaubohne
Hinaus in die ewige Nacht;
Das hat noch keiner
gemacht.
Rixráx was willst du?
Was? Du willst eine Sonnenkanone
Und
eine Milchstraßenkrone?
Brüderchen, geh doch nach Haus!
Sei friedlich und
schlaf dich aus!
Alter Sonnenbruder!
(Katerpoesie)
Meine Welt ist nicht von
Pappe!
Dieses sag ich dir im Traum!
Trägst du eine Narrenkappe,
Trag
sie unterm Lorbeerbaum!
(Katerpoesie)
Ich steh auf meiner Säule
Und schau ins weite Meer.
Ich höre dein Geheule
Und wundre mich nicht mehr.
Ich steh auf meiner
Säule
Mir wird mein Herz nicht schwer.
(Katerpoesie)
Wer sich mit
Anderen verbindet,
Auf Erden niemals Ruhe findet.
(Katerpoesie)
Charakter ist nur Eigensinn;
Ich bin mit
mir zufrieden.
Ich geh nach allen Seiten hin;
Wir sind ja so verschieden.
Geht mir mit der Quälerei!
Sie macht wirklich kein Vergnügen;
Mir
kann nur die Wurschtigkeit
Toll und voll und ganz genügen.
Was wie ein Schienenpaar zerfahren ist,
Das ist noch härter als der
Antichrist.
Ich möcht am liebsten meine Tinte
Dem
Menschenvolk ins Blutgeäder spritzen.
Ich will mich bloß nicht so erhitzen.
Glaube mir:
Ich streichle dir
Die zarten vollen Wangen.
Glaube
mir:
Ich hab nach dir
Wahrhaftig kein Verlangen.
Ich will dir immer gut
sein!
Bleibe mir nur ewig fern
Wie der stille Abendstern.
Ich hab die ganze Nacht gelacht —
Natürlich — nur im Traume!
Jetzt bin ich
endlich aufgewacht —
Natürlich — noch im Raume!
Ich kann nun nicht mehr
lachen!
Was soll ich also machen?
Weiterwachen?
Sei klein
— dann ist die Welt so groß!
Sei schwach — dann ist die Welt so stark!
Sei
dumm — dann ist die Welt so klug!
Sei stumm — dann ist die Welt so laut!
Sei arm — dann ist die Welt so reich!
Ach, nur im Dunkeln
Funkeln die Sterne.
Reimerei und Schweinerei!
Mir ist alles
einerlei!
Alte Katzen sind nicht blöde.
Aber jene Untermenschen,
Die
ich täglich braten möchte,
Machen mir die Welt so öde.
Mir ist alles
einerlei!
Mensch, sei frei!
Freche Fratze,
Deine Glatze
Ist nicht alt,
Auch nicht jung,
Bloß voll Dung,
Hast du bald
Dung
genung?
Die Eitelkeit, die Eitelkeit —
Die steckt ja wohl im
Narrenkleid.
Doch bei den steifen ernsten Leuten —
Da steckt sie unter
allen Häuten.
Der Nebel meiner Lebensqual
Ist dunkel, trüb
und fett.
Ich liege still zu Bett.
Fahrig, lax, frivol und
wischig
Ist die große Alterskunst —
Gräßlich ist der ganze Dunst.
Doch die stillen Flaggenstöcke —
Freunde, die laßt stehen,
Wenn
auch die Spektakelfeste
Lichterloh vergehen.
Die
Flaggenstöcke gingen tief
In unsre alte Erde rein.
Wir aber gingen immer
schief —
Im Sonnen- wie im Mondenschein.
Alte böse Menschen
schimpfen
Über meine Lustigkeit.
Und das ist doch weiter nichts als
Alter, dunkelgelber Neid.
Du kindische Kröte,
Dich quetsch
ich zu Brei.
Ich mag doch nicht hören
Die Mopslitanei,
Die sich lustig
macht
Über den, der lacht.
Ich schmiß einen Menschen zum
Fenster hinaus —
Natürlich — nur im Traume!
Ich fragte höflich die Mama:
Wozu ist das Männchen da?
Was denkt sich denn der junge Fant?
Ich liebte nie mein Vaterland.
Das tun ja schon so viel Soldaten!
So
selbstgefällig bin ich nicht!
Lieber süßer Kannibale,
Liebst
du meine Tante Male?
Friß sie auf — sie ist gesund —
Ihre Welt wird ihr zu
bunt.
Rosenstielchen, Blätterkuß!
Meine Welt ist voll
Verdruß!
Klarheit wollt ihr?
Dicke Klarheit?
Seid ihr
echte Untermenschen?
Wollt ihr nicht den kummervollen
Rausch der Ewigkeit
umhalsen?
Wollt ihr nicht den götterhaften
Allempfindungsdünkel kosten?
Aber nein: ihr seid gescheidter;
Eure Sehnsucht will ins Bettchen,
Denn
der liebe Sandmann kam.
Ich weiß, was ich begehrte;
Nie klar
wird das Verklärte.
Mit den Ketten will ich rasseln,
Daß das
Trommelfell euch platze!
Es erblüh in euern Dasseln
Alles Glück in einem
Satze.
Ach, nur im Dunkeln
Funkeln die Sterne.
Breite Nachtkapuzen,
Ich will euch nur uzen!
Keiner sticht euch tot!
Alles ist im Lot!
Überwinden, überwinden
Wollen wir die
letzten Trümpfe.
Und wenn wir das Letzte finden,
Machen wir uns auf die
Strümpfe.
Charakter ist nur Eigensinn.
Es lebe die
Zigeunerin!
Schluß!!
(Katerpoesie)
Ich war schon wo,
Da ging es wüste zu;
Ich
hatte weder Hemd noch Schuh,
Nur grüne Schlangen
In beiden Händen.
Ich
konnte mich nicht drehen
Und nicht wenden.
Doch viele Beutelsterne
Drehten sich um meine Arme
Und sahen aus
Wie schlaffe Luftballons.
Die
Schlangen aber sangen.
(Katerpoesie)
Ich weiß nicht, was ich dir sagen soll;
mein
Herz ist über und über voll.
Ich weiß nicht, was ich dir sagen soll;
mein
Herz ist über und über voll.
Ich weiß nicht, was ich dir sagen soll;
Ich
weiß nicht, was ich dir sagen soll.
Mir ist, als ob der Friede
Sich in meine Seele legt -
So wundersam bewegt!
Der Pappel Wipfel flüstern.
Wir sitzen still und
schweigen.
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
Wir wollen noch
einmal trinken -
Und dann - betrunken sein!
(1897)
Trinke, wenn
du trinken willst,
Nie mit deinen Kameraden —
Sonst wird dir der schönste
Suff
Leider überall nur schaden.
(Katerpoesie)
Wie weit der Weg!
Im tiefen Tale glänzt
Der Tau der
letzten Sommernacht.
Wie weit der Weg!
Im hohen Weltall glüht
Der
großen Sonnen Glück so heiß.
Wie weit der Weg!
In tollen Köpfen kreist
Die Schöpferkraft des ganzen Alls.
O still! Zum Ziel!
Es wird zu viel!
(Katerpoesie)
Was ich gestern war,
Bin ich heute nicht.
Jeder neue Morgen
Zeigt ein neu Gesicht.
(1897)
Da tönten von allen Bergen
So seltsam und
wunderschön
Die Lieder von tausend Zwergen,
Die nie ein Mensch gesehn.
Es klang wie ein alter Reigen
Wohl über Feld und Thal.
Dann aber begann
ein Schweigen,
Das erfüllte das ganze All.
Wir standen und sahen
träumend
Die Berge und Zwerge an.
Das Bächlein aber lief schäumend
Plötzlich zum Himmel hinan.
(1897)
Ich möchte Dir
streicheln die Hände,
Doch Du bist ja nicht hier.
Ich möchte Dir küssen
die Hände,
Warum bist Du nicht hier?
Ich möchte mit Dir plaudern
Von
alter, alter Zeit -
Ich bin so einsam geworden,
Und Du bist weit - weit!
(1897)
Alles sah ich.
Alles weiß ich.
Alles kann ich.
Was also soll ich?
Sag, was Du willst!
Ich sage stets:
"Ich mag nicht!"
(1902)
Wenn Du mich nicht mehr lieben
willst,
So geh ich zum Kuppelweibe!
Wenn Du mich nicht mehr lieben willst,
So will ich Dich vergessen -
In wilder toller Brunst -
Bei Wein und
Saitenkunst -
Da lieb ich, was ich finde -
Verschwinde nur! Verschwinde -
Wenn Du mich nicht mehr lieben willst.
(1897)
Wir mußten neulich so
furchtbar lachen:
Ein Alter sprach so voll Herzeleid;
Er wollte die
herrlichsten Verse machen
Zum Lobe der tiefen Unendlichkeit.
Nun aber
gelang nicht das kleinste Gedicht,
Und dazu schnitt er noch ein Gesicht,
Als wenn die Unendlichkeit böse wär.
Ach Alter, wo kommst Du eigentlich her?
Mach Dir doch nicht das Leben so schwer.
Was macht du blos für Sachen?.
Man muß ja so furchtbar lachen.
(1902)
Weißt Du, wie es kommt,
Daß
Menschen zu viel trinken?
Daß sie dabei oft versinken?
Weißt du wie es
kommt?
Hör's! Ich weiß es ganz genau:
Wir, wie wahren großen Menschen,
Sind vom Stamm der große Löwen,
Die da immer einsam leben
Und sich ledern
in Gesellschaft -
Wir, die wahren großen Menschen,
Sehn uns aber viel zu
häufig!
Müssen drum gewaltig trinken!
Könnten uns sonst nie ertragen!
(1897)
Wohl dem, der frei von Weib und Kindern
Sein Leben froh
vertrinken kann -
Der muß der Menschheit Leiden lindern -
Der ist ein
guter freier Mann -
Der lebt im Sturm und Sonnenschein
Gemüthlich in den
Tag hinein -
Der hat verjubelt alle Pein
Und darf auf Erden selig sein.
(1897)
... aber glaube nicht, ich sei
Nichts als Frosch und
vogelfrei.
Hörs und wundre dich nicht wenig:
Ich bin ein verwunschener
König.
Ach, ich habe Moritaten
Auf dem Herzen und gebraten
Hab ich
manchen Untertan.
Dieses war nicht wohlgetan...
(Katerpoesie)
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